Apolda verzeichnet höchste Kriminalitätsrate seit Jahren

  • Jeder Täter hinterlässt am Tatort seinen unverwechselbaren genetischen Fingerabdruck. Immer häufiger wird er durch diesen überführt. Archiv-Foto: Sascha Margon Jeder Täter hinterlässt am Tatort seinen unverwechselbaren genetischen Fingerabdruck. Immer häufiger wird er durch diesen überführt. Archiv-Foto: Sascha Margon
Mit einem unerwarteten Anstieg der Kriminalität hatte sich im vergangenen Jahr die Polizei-Inspektion Apolda auseinanderzusetzen. 2273 angezeigte Straftaten bedeuten gegenüber dem Vorjahr (1941) ein Plus 17,1 Prozent. Ein Drittel des Zuwachses und damit der größte Teil entfällt auf einfache Diebstähle. Hier stieg die Zahl der Anzeigen innerhalb eines Jahres von 417 auf 508 an.
Apolda. Zugleich sank die Aufklärungsquote der Apoldaer Polizei von 64 auf 60 Prozent. Die Ursache sieht Polizeichef Andreas Tamm in der Schere zwischen einem Ansteigen der Straftaten und einem Personalbestand der "gleichbleibend auf niedrigem Niveau" liegt. Der Polizist, der eine Sportveranstaltung absichert, fehlt irgendwann in der normalen Schicht, lautet die einfache Rechnung. Ob und wie sich der Personalbestand der Apoldaer Polizei ändert, lässt sich derzeit nicht sagen, so Tamm.

Bei den 773 Diebstählen im vergangenen Jahr nehmen die Ladendiebstähle mit 208 den weitaus größten Teil ein, sagte Polizeihauptkommissar Frank Schmidt , der Leiter der Ermittlergruppe. Hier gab es auch den höchsten Zuwachs - im Jahr 2010 wurden lediglich 106 Ladendiebe angezeigt. Die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen. Das Alter der Täter liegt zwischen 4 und 83 Jahren. Im Fall des Vierjährigen darf der Polizist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht stellen - rein juristisch ist ein Diebstahl ein Diebstahl. Und es obliegt allein dem Bestohlenen, eine Anzeige zu stellen oder nicht. Da Kinder nicht strafmündig sind, werden sie nach einer Befragung im Beisein der Eltern wieder nach Hause geschickt. Allerdings gibt es wohl einen erheblichen Erfolgsdruck auf Ladendetektive. So wurden im Vorjahr auch Diebe nach dem Verzehr einer Kirschtomate und einer Weinbeere angezeigt. Frank Schmidt hat so etwas in seiner 37-jährigen Dienstzeit noch nie erlebt.

24 der 39 Diebstähle aus Wohnungen sind "innerfamiliäre" Diebstähle gewesen. Bei den Diebstählen aus Fahrzeugen nehmen Kennzeichendiebstähle zu, mit denen dann oft andere Straftaten, wie etwa Tankbetrug begangen werden.

Bei der Aufklärung kommt DNA-Spuren eine immer größere Bedeutung zu, weiß Schmidt. Auch die Wissenschaft komme hier mit enormem Tempo voran. So konnte im Vorjahr beispielsweise der Einbruch in ein Friseurgeschäft aufgeklärt werden, weil sich an dem Stein, mit dem die Scheibe eingeworfen wurde, DNA-Spuren des Täters befanden. Durch den internationalen Abgleich von DNA wurden zwei Straftaten mit einem französischen Täter aufgeklärt. Und allein in diesem Jahr gelangen bereits 10 Aufklärungserfolge über DNA-Spuren sowie zwei über Fingerabdrücke.

Der größte Aufklärungserfolg des vergangenen Jahres im Bereich Apolda betraf die Aufbruchserie von Pkw im September und Oktober. 49 Straftaten werden dem Tatverdächtigen zur Last gelegt. Inzwischen ist auch der notwendige Papierkram erledigt, so dass auch die letzten Akten der zuständigen Staatsanwaltschaft übergeben werden können.

Für das laufende Jahr sicherte Tamm eine höhere Kontrolldichte auch nachts durch Fremdkräfte zu. Vor allem die Drogenkriminalität soll damit weiter eingedämmt werden. Hier gab es im Vorjahr 18 angezeigte Fälle mit einer enormen Dunkelziffer. Dass mit mehr Kontrollen auch die Fallzahlen in der Statistik steigen, ist dabei quasi nebensächlich.


Klaus Jäger / 30.03.12 / TA
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